Hightech-Unterstützung für die Humanitäre Hilfe

Für die Arbeit in Krisen- und Katastrophengebieten suchen humanitäre Hilfsorganisationen immer stärker technologische Unterstützung. Neue Technologien, etwa aus der Satellitenfernerkundug, Robotik oder Kommunikationstechnologie, helfen den Helfern die Versorgung und Rettung von Menschen in Not möglichst effektiv zu gestalten. Das gilt nicht zuletzt für Hilfseinsätze, die unter extremen Bedingungen geleistet werden. Um gemeinsam Lösungen zu entwickeln, hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine besondere Veranstaltung initiiert: Rund 80 Wissenschaftler, humanitäre Akteure und Förderer sind zu den "DLR Humanitarian Technology Days" zusammengekommen, die aktuell vom 6. - 7. Februar 2019 in Oberpfaffenhofen stattfinden.

"Das DLR nimmt seine gesellschaftliche Verantwortung ernst und unterstützt dringende humanitäre Aufgaben weltweit. Angewandte Forschung und Technologieentwicklungen helfen, die Not von Menschen zu lindern. Für die praktische humanitäre Hilfe kann das DLR seine Kompetenzen aus den Bereichen Raumfahrt, Luftfahrt, Energie, Verkehr, Sicherheit und Digitalisierung umfassend einbringen. Nur im engen Dialog und in der Zusammenarbeit mit Akteuren der humanitären Hilfe ist dies zu bewerkstelligen, diese Veranstaltung ist hierbei ein wichtiges Element", sagt DLR-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Pascale Ehrenfreund zum Auftakt der Humanitarian Technology Days.

Begrüßt wurden die Gäste auch von Prof. Dr. Stefan Dech, Direktor des Deutschen Fernerkundungsdatenzentrums. Zu dem Teilnehmerkreis gehören die Vereinten Nationen (UN) mit Vertretern von UN SPIDER (Plattform der Vereinten Nationen für raumfahrtgestützte Informationen für Katastrophenmanagement und Notfallmaßnahmen) des UN Büros zur friedlichen Nutzung des Weltalls (UNOOSA) und dem UN World Food Programme (WFP), das Auswärtige Amt, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, das Technische Hilfswerk, das Rote Kreuz sowie acht internationale Nichtregierungsorganisationen. Das DLR stellt im Rahmen der "Humanitarian Technology Days" seine Kompetenz aus allen DLR Forschungsbereichen vor. Während des zweitätigen "Matchmakings" können sich die Entscheider, Praktiker und Entwickler gezielt austauschen und die Basis für längerfristige Partnerschaften und zukunftsweisende Projektideen schaffen.

Der Einsatz von Hightech in der humanitären Hilfe ist ein noch junges Forschungs- und Entwicklungsfeld, das DLR zählt dabei zu den Vorreitern. Insbesondere das Deutsche Fernerkundungsdatenzentrum verfügt über langjährige Erfahrungen im Bereich Katastrophenschutz und zivile Sicherheit. Für die Hilfsorganisationen heute ist es zunehmend wichtig, proaktiv handeln zu können, Krisensituationen früh zu erkennen und Risikowissen präventiv einzusetzen. Die neueste Generation von Erdbeoachtungssatelliten liefern dazu wertvolle Daten, die vom DLR gezielt erstellt und aufbereitet werden können. Für Prognosen zur Ernährungssicherheit etwa können die Experten periodisch wiederkehrende Krisen wie Dürre oder Überschwemmungen global kartieren. Das DLR kann humanitäre Aufgaben auch in vielen anderen Bereichen unterstützen. Das mögliche Anwendungsspektrum der Technologiekompetenz reicht von Logistik für Menschen und Hilfsgütern, bis hin zu teilautonomen Konvois, Umgang mit den Ursachen und Folgen von Klimawandel, Fluchtursachenvermeidung durch Entwicklung und Hilfe vor Ort und der dezentralen Energieversorgung von Flüchtlingslagern oder SOS-Kinderdörfern in Krisengebieten.

UN World Food Progamme intensiviert Zusammenarbeit

Mit dem UN World Food Progamme (WFP) hat das DLR bereits seit einigen Jahren verschiedene Projekte durchgeführt. Die erfolgreiche Zusammenarbeit soll nun intensiviert werden. Im Rahmen der "Humanitarian Technology Days" unterzeichneten die beiden Partner ein Abkommen zur Entwicklung und Umsetzung von Technologien für die Mission "Zero Hunger".

"WFP hat ein ungemein wichtiges Mandat: Den Kampf gegen Hunger, weltweit. Das ‚Memorandum of Understanding‘ sichert eine langfristige Kooperation, um die Nutzung von neuesten Forschungsergebnissen und Technologieentwicklungen aus allen DLR Forschungsbereichen für den Kampf gegen Hunger bestmöglich in Wert zu setzten. Nur durch Implementierungspartner wie WFP kann dies effektiv gestaltet werden", erklärt Prof. Ehrenfreund.

"821 Millionen Menschen müssen jeden Abend hungrig schlafen gehen. Angesichts von Konflikten und Naturkatastrophen brauchen wir neue Ansätze und müssen neue Technologien testen, um diesen hungernden Familien in Zukunft schneller und nachhaltiger zu helfen. Partner wie das DLR sind hierbei besonders kritisch und wir sind gespannt auf innovative, kreative Lösungen, die DLR und unser Innovation Accelerator gemeinsam erarbeiten werden", sagt Robert Opp, Director for Innovation and Change Management des WFP.

Ziel des Abkommens ist es, Schlüsseltechnologien zu entwickeln und zu implementieren, um den weltweiten Hunger bis zum Jahr 2030 zu besiegen. So sollen insbesondere Innovationen aus der Raumfahrt, Luftfahrt, Verkehr, Digitalisierung und Sicherheit Anwendung finden. Ein weiterer Fokus liegt auf einem gemeinsamen "Thought Leadership", der Vernetzung von Forschungs- und Entwicklungaktivitäten und Entwicklung neuer zukunftsweisender Projekte.