Startup der Woche 47

Take data further

EnergyCortex ist das Startup der Woche 47: Take data further

Die Digitalisierung bildet mittlerweile eines der Kernthemen in der Energiebranche. Damit einher geht die Datenökonomie, die es ermöglicht, Daten zu aggregieren, zu visualisieren und letztendlich auszuwerten - und das bestenfalls mit Mehrwerten für alle beteiligten Parteien. Unser Startup der Woche, EnergyCortex, hat eine Plattform entwickelt, die genau das tut. Im Interview mit CEO Dr. Bastian Baumgart erfahren wir mehr über Hintergründe, Chancen und Hürden.

Hallo Bastian, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Zum schnellen Einstieg: Was macht EnergyCortex?
EnergyCortex entwickelt eine cloud-basierte, sektorübergreifende Energiedatenplattform für Industriekunden, Stadtwerke sowie Betreiber von dezentralen Anlagen (z. B. Erneuerbare-Energien- und KWK-Anlagen).
Das klingt sehr spannend. Wie funktioniert das im Detail?
Das System sammelt und visualisiert Daten verschiedener Quellen und neuer energiewirtschaftlicher Formate, wie beispielweise Smart-Meter-Daten und übernimmt für den Kunden die Aufbereitung, Verarbeitung sowie Plausibilisierung dieser Daten (z. B. im Rahmen der Abrechnung von Netzentgelten im Bereich Strom oder Gas). Mittels der aufbereiteten Daten werden Services zur Kostensenkung und Performancesteigerung, auf Basis von Artificial Intelligence und Optimierungsmodellen angeboten. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang u. a. die Identifikation von Anomalien (z. B. beim Blindleistungsbezug), die Analyse von Abgabenreduktionen (z. B. Netzentgeltoptimierung oder Strom- und Energiesteuerrückerstattung), Verbrauchs- und Erzeugungsprognosen, Tools zur Bewertung von Investitionen und Analyse von Optimierungspotenzialen oder Predictive Maintenance.
Datengetriebene Geschäftsmodelle sind mittlerweile aus unserer Wirtschaft nicht mehr wegzudenken. Weniger präsent sind sie jedoch in der Energiebranche. Hat das einen Grund? Wo siehst du in eurer Plattform den Mehrwert für die Energiewende?
Identifizierte zu- oder abschaltbare Flexibilität kann die Systemsicherheit und die Integration von erneuerbaren Energien stützen; dabei kann industrielle Flexibilität zu einer Wettbewerbserhöhung an Kurzfrist- und Regelenergiemärkten und damit zu in einer Senkung der Systemkosten bei geringeren EE-Abschaltungsmengen in Schwachlastphasen führen. Durch Prognoseverbesserungen und die Nutzung von Kurzfristdaten der Verbraucher sinken Risikomargen bei Energielieferanten. Hierdurch können den Energieverbrauchern geringere Strompreise angeboten werden, was zu einer Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit führen sollte.
Verstehe. Mit welchem Geschäftsmodell können Interessenten denn rechnen?
Je nach Plattform-Modul unterscheiden wir zwischen einer Fix Fee, Pay-per-Usage oder Erfolgsbeteiligung. Bei bestimmten Modulen kann es auch zu einer Kopplung kommen (Fix Fee + Erfolgsbeteiligung).
Du hattest es zwar am Anfang kurz angesprochen, ich würde dich aber trotzdem bitten, noch einmal auf eure Zielgruppe einzugehen.
Wir adressieren Industriekunden und Stadtwerke, aber auch Betreiber von dezentralen Anlagen.
Um auf meine Frage von vorhin zurückzukommen. Datengetriebene Geschäftsmodelle sind in der Energiebranche noch nicht so fest verankert, wie in anderen Bereichen der Wirtschaft. Woran liegt das? Gibt es bereits Maßnahmen, das zu ändern?
Die Bundesregierung und die BNetzA haben die Absicht, dass die datengetriebene Digitalisierung der Energiewirtschaft vorangebracht wird. Dafür wurde unter anderem die Entscheidung getroffen, digitale Datenformate (Edifact) einzuführen, die nun auch Kunden zur Verfügung zu stellen sind und Papierrechnungen ablösen sollen. Die Formate sollen Verbraucher und dezentrale Erzeuger befähigen, nachzuprüfen, ob ihre Abrechnungen von Lieferanten, Netzbetreibern oder Vermarktern korrekt sind (u. a. Höhe je Viertelstunde, max. Leistung, Energiemenge). Obwohl es sich um Standardformate handelt und die Politik sich nach eigener Aussage eine rasche Digitalisierung wünscht, sind eine Großzahl von Stadtwerken, Netzbetreibern bzw. EVU angeblich nicht in der Lage, diese Daten an ihre Kunden oder deren Dienstleister zu versenden. Dies führt dazu, dass energiedatengetriebene Geschäftsmodelle von jungen Start-ups, die auf eine Übersendung der Daten ihrer Kunden angewiesen sind, stagnieren.

Bastian, vielen Dank für das spannende Interview und die realistischen Einblicke in eure Branche! Wir wünsche euch für die Realisierung eurer Projekte viel Erfolg.